Lichtwolf Nr. 78 („Weitermachen“) (E-Book)

Weiterso oder Schluss damit? Ein Heft vom Nutzen und Nachteil des Weitermachens in Geschichte und Zukunft, außerdem Termiten und Pierre Fournier.

3,99 

Beschreibung

Wem die Bewältigung des Alltags schon alle Kräfte abverlangt, hat es seit der vollzähligen Ankunft der apokalyptischen Reiter (plus Klimakatastrophe auf dem Begleitpony) noch schwerer: Wie schal wirkt der Stolz darauf, heute wenigstens den Müll rausgebracht zu haben, wenn anderswo gegen widrigste Umstände gekämpft und durchgehalten wird.

Weiter immer weiterzumachen ist aber nicht nur die Grundtugend der Gewinnertypen. Zum Auftakt warnt Marc Hieronimus vorm Weiterso und denkt mit Ivan Illich darüber nach, was sich ändern muss, damit die Gesellschaft eine Zukunft hat. Eine düstere solche verbirgt sich, schreibt Mirko Stehr, in modischen Trends wie Urban Gardening. Ausdauer und der Tod setzen dem Weitermachen Grenzen: Martin Köhler denkt in seiner Kolumne über Kommunikation mit Lebensmüden nach, Michael Helming erzählt von einem Mann, der immer weiterstirbt und Georg Frost erklärt kurz, was es mit Herbert Marcuses Grabstein auf sich hat.

Es wird sowohl historisch als auch futuristisch: Ewgeniy Kasakow zeigt an einer filmreifen Biographie, wie der polnische Widerstandskampf nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands weiterging, und Katharina Körting blickt auf die protestantische Kirche, die nach 1945 weitermachte, als wäre nichts gewesen. Redaktionspraktikant Filbinger legt Sci-Fi-Haushaltstipps vom Rande eines Schwarzen Lochs vor, Bdolf lobt das Universum als einzig wahren Weitermacher und sodann die Perry-Rhodan-Hefte als längste fortlaufende Geschichte der Welt. Derselbe Bdolf legt neben den Prolegomena zum Thema ein kleines Lob der Masturbation vor. Schneidegger blickt zum 20-jährigen Bestehen des Lichtwolf vor allem nach vorne aufs Ende und Michael Helming klärt vor Ort in Elea, was an Zenons Leugnung der Bewegung dran ist.

Es folgen ein dreiseitiger Comic von Mirko Stehr über den Alltag im Untergang sowie die tragbaren Gedanken. Michael Helming stellt im hinteren Heftteil die Termite als Viehlosovieh vor, dann werden wieder aktuelle und ältere Werke in je unter 800 Zeichen besprochen. Ewgeniy Kasakow untersucht Fremde Heere Links und Mitte, Siebo Janssen sichtet für Fremde Heere Rechts aktuelle Themen der neurechten Publizistik. Zum 20. Lichtwolf-Geburtstag werden dann einige parallelweltliche Alternativen zur „Zeitschrift trotz Philosophie“ vorgestellt, ehe Marc Hieronimus in der Reihe „Lebende & Leichen“ Pierre Fournier (1937–1973) als frühen Kämpfer gegen die Vernichtung unserer Lebensgrundlagen portraitiert. In der Archäontologischen Warenkunde geht es diesmal um den Zuckerrübenstecher und das Knabenbuch.