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So lebte und starb ein 68er

Martin Gohlkes packender Roman „Im Bauch der Titanic“ lässt die Geschichte der westdeutschen Linken lebendig werden.

Vor 50 Jahren begann ein anderes Deutschland. Viele der damaligen 68er sind heute längst Rentner oder Pensionäre, die ihren Marsch durch die Institutionen absolviert haben. Aber was ist mit den stillen Helden dieser Generation? Von einem solchen aus der Generation, die gegen das bleierne Schweigen der Nachkriegszeit, die bürgerliche Enge und den Atomstaat kämpfte, erzählt Martin Gohlkes Roman über Liebe, Rache und den Tod.

Der Roman reicht von den 1940ern bis in die 2010er Jahre. Gohlke gelingt es, die Figuren über diesen großen Zeitraum literarisch und nicht bloß sachlich zu erfassen: Die historischen Stationen geben einen Eindruck, wie sehr sich die Bundesrepublik in der Lebenszeit eines Menschen verändert hat. Sie bilden den Hintergrund für die Entwicklung der Romanfiguren. „Ich wollte keinen reinen Spannungsroman schreiben, sondern über die Handlung eine Atmosphäre schaffen, der sich der Leser schwer entziehen kann“, so Gohlke.

Martin Gohlkes packender Roman „Im Bauch der Titanic“ lässt die Geschichte der westdeutschen Linken lebendig werden.

In den 1950er Jahren macht Ilona in einem kleinen norddeutschen Dorf ihr Abitur. Sie entscheidet sich für die ökonomische Sicherheit einer Ehe mit dem Unternehmersohn Werner und gegen die Liebe zum Legastheniker Wolfgang. Dieser arbeitet sich auf dem zweiten Bildungsweg bis an die Universität Frankfurt kurz nach dem Schicksalsjahr 1968 voran. Hier begegnen er und Ilona sich wieder, um den Mantel des Schweigens zu lüften, der auf den Ereignissen an ihrer alten Schule während des Nationalsozialismus lag. Für Wolfgang wird diese Forschung bald persönlich und zu seiner Lebensaufgabe. Bei den Protesten im Wendland der 1980er kreuzen sich Wolfgangs und Ilonas Wege einmal mehr und scheinen sich zu einem friedlichen, gemeinsamen Lebensabend zu vereinen. Doch kurz vor dem Tod muss sich Wolfgang der Frage stellen, was kaputtgeht, wenn man „kaputt macht, was einen kaputt macht“.

Gohlkes Roman ist nicht autobiographisch geprägt (Gohlke ist Jahrgang 1960.) und speist sich doch aus den persönlichen Erfahrungen des Autors. Durch die Arbeit in der politischen Bildung sind Sozialisation und Entwicklung der westdeutschen Linken wie auch ihr innere Kämpfe um eine menschliche Haltung unter unmenschlichen Umständen ihm wohlvertraut.

Martin Gohlke: Im Bauch der Titanic (2017)

Martin Gohlke ist promovierter Historiker und Politologe. Er arbeitet in der politischen Erwachsenenbildung und verfasst Essays u.a. für den „Lichtwolf – Zeitschrift trotz Philosophie“. 2002 erschien seine Studie „Rotes Herz – Tiefer Riss: Die betriebliche und gewerkschaftliche Interessenvertretung bei der Bremer Firma Kaffee HAG 1945–1990“. Im Jahr 2014 folgte sein erster Roman „Weitlings Traum“. Gohlke lebt in Norden (Ostfriesland).

Der Roman ist erhältlich als Buch (ISBN 9783941921641) im Hardcover mit 394 Seiten für nur 19,80 Euro. Außerdem gibt es eine E-Book-Fassung für Amazon Kindle sowie direkt beim catware.net Verlag im epub-Format für alle anderen Lesegeräte. Die DRM-freie E-Book-Fassung kostet nur 6,99 Euro.