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Lichtwolf in bunt zum Frühlingsbeginn

Die aktuelle Frühlingsausgabe der „Zeitschrift trotz Philosophie“ beschäftigt sich auf 124 erstmals durchgehend farbigen Seiten im DIN-A4-Paperback mit „Blumenkraft“ – ein Thema, das vielfältige Assoziationen von Defloration bis Flower Power erlaubt. Seit Ende März ist das Heft auch als E-Book für Kindle sowie im offenen epub-Format erhältlich.

124 komplett farbige Seiten DIN A4 zum Frühlingserwachen, Flower Power, Hippietum, Arbeiternelke, Tulpenmanie und dem Namen der Rose.
124 komplett farbige Seiten DIN A4 zum Frühlingserwachen, Flower Power, Hippietum, Arbeiternelke, Tulpenmanie und dem Namen der Rose.

Die Essays des neuen Hefts greifen das Titelthema auf sehr abwechslungsreiche Weise auf: Ob es um die ganz konkrete Blumenkraft von Stechapfel und Schierling geht oder um die sexuellen Konnotationen rund um die Blume, immer steht der Konflikt zwischen Natur und Kultur im Zentrum der Essays.

Anlässlich der Pariser Anschläge vom Januar 2015 portraitiert Marc Hieronimus die französische Satirezeitung Charlie Hebdo. Deren Vorgänger Hara Kiri hat seine Wurzeln in den Pariser Protesten des Mai 1968. Osman Hajjar beobachtet u.a. mit Derrida, wie das Wurzel- und Rankenwerk namens Realität seinen Ursprung im Vegetativen hat.

Die rote Nelke der Arbeiterbewegung nimmt Martin Gohlke zum Anlass, sich mit zwei Mythen auseinanderzusetzen, auf die sich die Linke beruft: Zum einen die Hoffnung, der Kapitalismus lasse sich politisch zähmen, zum anderen das Bild des Arbeiters als revolutionäres Subjekt. Als Spätgeborene blicken Matthias Laux und das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus auf die Hippie-Bewegung der 60er und 70er Jahre. Dabei geht es zum einen um ihr Verhältnis zur Militanz und zur Arbeiterbewegung, zum anderen um ihre philosophischen Ahnen und ihr heutiges Erbe. Stefan Rode etwa schreibt über die Lebensreform-Bewegung, die vor knapp hundert Jahren Vegetarismus und Nudismus als Weg zum Glück propagierte.

Neben zahlreichen bunt illustrierten Essays enthält auch diese Lichtwolf-Ausgabe wieder Buchbesprechungen, Aphorismen, kleine Erzählungen und die Feuilleton-Rundschau.

Es gehe ihm nicht um das große Publikum, erklärt der Herausgeber Timotheus Schneidegger, der den Lichtwolf vor 13 Jahren als Student in Freiburg gründete. Die aktuelle komplett farbige Ausgabe sei ein Geschenk an die treue Leserschaft, einfach so, weshalb es auf dem Titel auch heißt: „Prachtausgabe aus Scheiß“.

Kaum eine andere Kleinzeitschrift erscheint mit einer solchen Ausdauer und Kontinuität wie der Lichtwolf. Als eine der Ersten ihrer Art bot die „Zeitschrift trotz Philosophie“ ihre Ausgaben parallel zur Printausgabe auch als E-Book an.

Anfang Juni stellt der Lichtwolf auf der Mainzer Minipressen-Messe aus. Hier treffen sich alle zwei Jahre Buchkünstler, Kleinverlage und Untergrundzeitschriften, um sich auszutauschen und ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Kurz darauf wird zum Sommerbeginn die nächste Lichtwolf-Ausgabe erscheinen: Traditionell gibt es pünktlich zu jedem Jahreszeitenwechsel ein neues Heft.