Veröffentlicht am

Alte Schule, alte Berufe

Lichtwolf Nr. 59 (Alte Berufe)

Der Lichtwolf, „Zeitschrift trotz Philosophie“ beschäftigt sich in seiner 59. Ausgabe mit alten Berufen. Das Heft ist zum Herbstanfang im catware.net Verlag erschienen, der es auch als E-Book vertreibt.

Einige alte Berufe sind allgegenwärtig, da sie in Nachnamen eingeschlossen sind wie prähistorische Mücken im Bernstein. Andere hatten weniger Glück als Meyer, Müller, Schmidt und Schulz: Sie waren zum Zeitpunkt, als man sich Nachnamen anschaffte, schon ausgestorben oder noch nicht entstanden. 51 alte Berufe wie Drucker, Gerber oder Tankwart werden in ihrer philosophisch-popkulturellen Relevanz beschrieben. Einige erfahren ausführlichere Portraits, in denen es auch darum geht, was das Verschwinden oder der Wandel dieser alten Berufe uns über die Gegenwart verrät.

Lichtwolf Nr. 59 (Alte Berufe)
51 alte Berufe im philosophischen Portrait, ausführlicher: Alchemist, Matador, Schuster, Schutzmann, Töpfer und Zensor. Außerdem Lachse, Jacques Ellul und Automobile.

Michael Helming bedauert das Aussterben des Matadors als Mittelding zwischen Priester und Metzger, aber vor allem als Signum der Trennung des Schnitzels vom Töten. Bernhard Horwatitsch sieht in Alchemisten und Goldgräbern die bis heute leitende Gier nach Edelmetallen zur Profession geworden. Marc Hieronimus zählt die kulturellen Beiträge des viel gescholtenen Zensors auf, dem ein glorreiches Comeback bevorstehen könnte – im Gegensatz zu Lektoren und Datenschutzbeauftragten, deren Niedergang Martin Köhler beschreibt. Im A—Z der alten Berufe sind vom Abtrittanbieter bis zur Zugehfrau auch noch abseitigere Berufe vertreten. Dazwischen gibt es wie in jeder Ausgabe Rezensionen, Illustrationen, Aphorismen und Aperçus, aber keine bezahlte Werbung.

Lichtwolf Nr. 59 ist eine philosophische und humorvolle Rundreise durch verschwundene oder sehr alte Berufswelten. Besonders freut sich Herausgeber Timotheus Schneidegger über die neue Gestaltung des Hefts: „Dickeres, chamois-farbenes Papier, ein gebundenes Paperback-Format sowie das Aquarell auf dem Titelbild passen wunderbar zur alten Schule und zu alten Berufen. Insgesamt wirkt die Gestaltung erwachsener, obwohl sie sich mehr denn je am Jugendstil orientiert“, erklärt er augenzwinkernd.

 

Das Heft ist beim catware.net Verlag erhältlich als gebundenes Paperback im DIN-A4-Format mit 92 werbefreien Seiten für 8,50 Euro inklusive Versand. Außerdem gibt es E-Book-Fassungen für Kindle und direkt beim Verlag im epub-Format für jeweils 3,99 Euro.

Veröffentlicht am

Die Ursprünge von Degrowth und Postwachstum

Marc Hieronimus stellt in seinem neuen Buch die französische Décroissance-Bewegung und ihre sozial-ökologische Utopie vor.

Spätestens seit dem Bericht des Club of Rome aus den 1970ern ist klar, dass unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten unmöglich ist. Dennoch gilt das Wirtschaftswachstum in der Politik nach wie vor als das Maß der Dinge, auch wenn die ökologischen Folgen unübersehbar sind. Was aber wäre die Alternative? Damit beschäftigt sich das neue Buch „Der Schritt zur Seite“ des Kölner Philosophen und Historikers Dr. Marc Hieronimus.

„Alles anhalten. Nachdenken. Und das ist keine traurige Angelegenheit.“ So lautete das Motto einer französischen Comic-Kolumne der Siebziger Jahre, als weltweit die letzten Utopien geschrieben wurden.

Vierzig Jahre später haben sich Krempel und Rummel vervielfacht, und die Welt steht am Abgrund: Klimawandel, Verseuchung der Böden, der Meere, der Luft und das größte Artensterben seit 65 Millionen Jahren. Die Kriege ums letzte Öl sind noch nicht beendet, die ums Wasser haben längst begonnen.

Die meisten stecken den Kopf in den Sand. Andere sagen: Weiter so, mehr Wachstum! Eine dritte Gruppe schwört, Wissenschaft und Technik seien die Lösung, dabei sind sie das Problem.

Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite (2016)
Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite (2016)

Doch die französische Décroissance-Bewegung greift Kritik und Utopie von damals wieder auf. Ihre Erfahrungen und Traditionen reichen damit weit über die modernen Postwachstums- oder Degrowth-Bewegungen hinaus. Das Buch ist die erste deutschsprachige Gesamtdarstellung der Décroissance-Bewegung und ihrer Ursprünge im Pariser Mai 1968 und in Zeitschriften wie Charlie Hebdo. Es stellt leidenschaftlich und fundiert die Motive, Denker und falschen Freunde der französischen Wachstumskritiker vor.

Marc Hieronimus zeigt so humorvoll wie die Vor- und Nachdenker der Décroissance aus dem Umfeld von Charlie Hebdo, wie dringlich der Wandel auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene ist – und wie viel Hoffnung und Freude schon der erste Schritt bereiten kann, wenn er nur in die richtige Richtung geht.

Neben einem Sach- und Personenregister umfasst das 328-seitige Buch (ISBN 9783941921634) eine Bibliographie mit allen deutsch-, englisch- und französischsprachigen Titeln zum Thema Décroissance. Es kostet 14,80 Euro und enthält 23 Illustrationen u.a. von Gébé, Patrick McGrath Muñíz, Andy Singer und Andreas Töpfer.

Marc Hieronimus ist Historiker, Philosoph und Dozent für Deutsch als Fremdsprache. Seine Gedichte, Erzählungen und Essays sind in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften erschienen. Nach einigen Jahren in Frankreich lebt er heute mit seiner Familie am Waldrand von Köln. Weitere Informationen sowie Stücke seiner Band unter www.marc-hieronimus.de