Lichtwolf Nr. 74 („Haut und Knochen“) (E-Book)

Ein unmageres Heft über Haut und Knochen als Schönheitsideal und Seelensitz, außerdem Hunger, Hautpflege und Mumien sowie Igel, Nazis im Gaming und Descartes im Krieg.

3,99 

Beschreibung

Im Zelt liegend meditiert Michael Helming zum Auftakt dieser Ausgabe über die menschliche Anatomie aus Plane und Gestänge, in der gleichfalls ein Ich liegt, das über das Außen nachdenkt. Auch Marc Hieronimus schreibt über die Seele als Bewohnerin von Haut und Knochen, genauer über ihre Wanderung nach dem Tod, der auch nicht das Ende des Körpers sein muss, wie uns Uta Siffert in ihrer kleinen Philosophie der „Alten Ägypter“ und ihrer Mumien schildert. Théodore Hannon hat seine Begierde nach mageren jungen Frauen in Verse gekleidet, die Frank Stückemann übersetzt hat, und auch bei Georg Frost geht es um Schönheitsideale bei Frauen – im Viehzüchter-Patriarchat. Apropos Kühe: Das Pro und Contra von Milchhaut wägt Martin Köhler in seiner Kolumne ab. Aus eigener Anschauung schildert Sarah Maria Lenk, wann vernünftige Hautpflege zur Obsession wird. Marc Hieronimus stellt dar, wie vorbildlich nachhaltig die nordamerikanischen Ureinwohner ihre Beute verwerteten, und Ewgeniy Kasakow beleuchtet die Esoterik-Diät der Lichtnahrung, ehe uns Elisa Nowak mit dem Lumpenproletariat die dürrsten Gestalten des Kapitalismus vorstellt. Bdolf liefert neben dem Propädeutikum und einem Blick in ein Schlafzimmer, wo es eher Klippklapp statt Knickknack macht, eine Exegese aktueller Künstlerinnenbiographien, die zu drastisch für manche Kuhhaut sind.

Nach den tragbaren Gedanken, die den hinteren Heftteil eröffnen, denkt Schneidegger über Rechtsextremismus in der Gaming-Szene nach, und Siebo M.H. Janssen berichtet, was in den jüngsten Ausgaben der ultrarechten Publizistik steht. Redaktionspraktikant Filbinger stellt den Hegel, Quatsch: Igel als Viehlosovieh vor, sodann folgen Aphorismen pro domo et mundo sowie Buchbesprechungen in je unter 800 Zeichen. René Descartes hat als adliger Offizier am Dreißigjährigen Krieg teilgenommen – oder vielmehr als Kriegstourist mit besonderem Interesse an Träumen und Festungsbau, wie Michael Helming in der Reihe „Philosophen in Uniform“ darstellt. Zum Schluss wird in der Archäontologischen Warenkunde noch auf das Verschwinden von Compact Cassette und Liedgut geblickt.