Lichtwolf Nr. 56 („Gebäck“) (E-Book)

112 winterlich gemütliche Seiten als E-Book im epub-Format übers Gebäck, allen voran das Brot, sowie Bier, Kekse, Torten, Postfaktizität, Spinnen und Sokrates im Krieg.

3,99 

Beschreibung

„Kiek mol, watt is de Himmel so rot? / Dat sünd de Engel, de backt das Brot / De backt den Wiehnachtsmann sien Stuten / för all de lütten Leckersnuten“, so reimt man im Ostfriesischen angesichts winterlicher Sonnenuntergänge, die Lust aufs Verweilen vorm warmen Ofen machen. Aus dem heraus kommt das heimelige Titelthema dieser Ausgabe. Marc Hieronimus verknüpft zum Start Croissants und Décroissance bzw. würdigt das Gebäck schlechthin: Ums Brot nämlich bzw. den in der Nachkriegsliteratur verarbeiteten Mangel daran geht es bei Stefan Rode. Literarische Untersuchungen stellt auch Denise Scheck über eine vergessene Gebäck-Erzählung an.
Anstatt, dass wir uns lang mit den teutonischen Redewendungen rund ums Gebäck aufhalten („jmd. auf den Keks gehen“, „einen weichen Keks haben“, „Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause.“), geht es sogleich in die Praxis: Michael Helming meditiert über die drei Aggregatszustände, in denen die Grundnahrungsmittel Brot und Bier vorkommen – mitsamt Anleitung für Pfannenbrot und Heimbier. Ein Rezept für Haschkekse gibt es hier nicht, aber eine Untersuchung des Kekswichsens durch IPuP-Press; wesentlich appetitlicher befasst sich Martin Köhler in seiner Kolumne mit Keksen und Leibniz. Bdolf steuert neben seinem Propädeutikum und der kindgerechten Darstellung der Transsubstantiation auch eine Würdigung der Bäckerblume bei, während Schneidegger mit dem Aufstieg von Backshops und Unverträglichkeiten sowie dem Niedergang des Bäckereiwesens den der Zivilisation überhaupt verbindet. Den religionsbedingten Verzicht auf Schwarzwälder Kirschtorte nimmt Osman Hajjar zum Anlass für eine Auseinandersetzung mit Diät, Opfer und Verzicht allgemein. Theologisch wird auch Redaktionspraktikant Filbinger, der sich mit der schwäbischen Seele als Gebäck sowie als Ziel satanisch-musikalischer Verführungskünste beschäftigt. Wolfgang Schröder zuletzt denkt über buchstabenförmige Teigwaren nach und was sie über Produktion, Präsentation und Rezeption von Texten verraten. Zwischendrin geht es in Miniaturen um das Gebäck in der Weltgeschichte.

Der hintere Teil des Heftes umfasst wieder einige tragbare Gedanke, Rezensionen und Aphorismen sowie das neue, ausführliche Editorial. Außerdem stellt Marc Hieronimus die Spinne als Viehlosovieh vor, Bernhard Horwatitsch macht sich Gedanken über das ethische Missverständnis von Soft Skills als Werten an sich und Schneidegger befasst sich mit der Postfaktizität und dem Anteil der Philosophie daran. Georg Frost zu guter Letzt beschäftigt sich in der Rubrik „Philosophen in Uniform“ mit Sokrates im Peloponnesischen Krieg. Die Illustrationen dieser Ausgabe stammen von Frost, Marc Hieronimus, Andy Singer, Patrick McGrath Muñiz, Renate von Charlottenburg und aus dem Simplicissmus.