„Der Mörder war’s“

Helming: Fliegende Fische

Mit diesem lakonischen Satz beginnt Michael Helmings neuer Roman „Fliegende Fische“. Seit dem 1. Oktober ist das Buch des Ravensburger Schriftstellers Michael Helming erhältlich – und es ist kein Krimi. Der Klappentext warnt den Leser denn auch in Anlehnung an Marcel Duchamp: „Ceci n‘est pas un krimi.“

Helming: Fliegende Fische
In seinem neuen Roman sprengt Michael Helming einmal mehr die Genre-Grenzen mit einem Ermittler, der nicht davor zurückschreckt, die Grenzen der Realität zu überschreiten, innerhalb derer sein Mordfall das perfekte Verbrechen bliebe.

Geschult an Jorge Luis Borges spielt Helming ausgiebig mit der Symbolik des Wassers. Dieses Grundelement in seiner Ermittlungsgeschichte um einen ermordeten Fischforscher ist gar nicht so durchsichtig: Es kann trübe daherkommen oder wie ein Spiegel wirken. Auch der lakonische Humor unterscheidet diesen Roman von den melancholischen Büchern, die ebenfalls im regnerischen Norddeutschland spielen.

Michael Helming sprengt die Genre-Grenzen, indem er das Whodunit-Prinzip des Krimis in die phantastische Literatur überführt. Heraus kommt „forensische Phantastik“ mit einem Ermittler, der nicht davor zurückschreckt, die Grenzen der Realität zu überschreiten, innerhalb derer sein Mordfall das perfekte Verbrechen bliebe. Kunstvoll gelingt es Helming, die gesamte Handlung des Buchs auf die letzte Autofahrt seines Kommissars zu konzentrieren.

Sieben Jahre nach seinem Kurzgeschichtenband „Die vorläufig letzte Fassung der Gegenwart“ legt Helming nun wieder einen Roman vor. In der Zwischenzeit macht er sich vor allem als Reiseschriftsteller einen Namen. In Essays für den Lichtwolf schlägt er stets einen Bogen von seinen Besuchen in Ost- und Südeuropa zu den kulturgeschichtlichen Identitätsfragen des Kontinents.

„Fliegende Fische“ ist erhältlich als Taschenbuch mit 212 Seiten zum Preis von 9,80 im Buchhandel unter der ISBN 9783941921672 oder hier beim catware.net Verlag. Außerdem gibt es jeweils eine E-Book-Fassung für Amazon Kindle und im offenen epub-Format für nur 4,99 Euro.

Alte Schule, alte Berufe

Lichtwolf Nr. 59 (Alte Berufe)

Der Lichtwolf, „Zeitschrift trotz Philosophie“ beschäftigt sich in seiner 59. Ausgabe mit alten Berufen. Das Heft ist zum Herbstanfang im catware.net Verlag erschienen, der es auch als E-Book vertreibt.

Einige alte Berufe sind allgegenwärtig, da sie in Nachnamen eingeschlossen sind wie prähistorische Mücken im Bernstein. Andere hatten weniger Glück als Meyer, Müller, Schmidt und Schulz: Sie waren zum Zeitpunkt, als man sich Nachnamen anschaffte, schon ausgestorben oder noch nicht entstanden. 51 alte Berufe wie Drucker, Gerber oder Tankwart werden in ihrer philosophisch-popkulturellen Relevanz beschrieben. Einige erfahren ausführlichere Portraits, in denen es auch darum geht, was das Verschwinden oder der Wandel dieser alten Berufe uns über die Gegenwart verrät.

Lichtwolf Nr. 59 (Alte Berufe)
51 alte Berufe im philosophischen Portrait, ausführlicher: Alchemist, Matador, Schuster, Schutzmann, Töpfer und Zensor. Außerdem Lachse, Jacques Ellul und Automobile.

Michael Helming bedauert das Aussterben des Matadors als Mittelding zwischen Priester und Metzger, aber vor allem als Signum der Trennung des Schnitzels vom Töten. Bernhard Horwatitsch sieht in Alchemisten und Goldgräbern die bis heute leitende Gier nach Edelmetallen zur Profession geworden. Marc Hieronimus zählt die kulturellen Beiträge des viel gescholtenen Zensors auf, dem ein glorreiches Comeback bevorstehen könnte – im Gegensatz zu Lektoren und Datenschutzbeauftragten, deren Niedergang Martin Köhler beschreibt. Im A—Z der alten Berufe sind vom Abtrittanbieter bis zur Zugehfrau auch noch abseitigere Berufe vertreten. Dazwischen gibt es wie in jeder Ausgabe Rezensionen, Illustrationen, Aphorismen und Aperçus, aber keine bezahlte Werbung.

Lichtwolf Nr. 59 ist eine philosophische und humorvolle Rundreise durch verschwundene oder sehr alte Berufswelten. Besonders freut sich Herausgeber Timotheus Schneidegger über die neue Gestaltung des Hefts: „Dickeres, chamois-farbenes Papier, ein gebundenes Paperback-Format sowie das Aquarell auf dem Titelbild passen wunderbar zur alten Schule und zu alten Berufen. Insgesamt wirkt die Gestaltung erwachsener, obwohl sie sich mehr denn je am Jugendstil orientiert“, erklärt er augenzwinkernd.

 

Das Heft ist beim catware.net Verlag erhältlich als gebundenes Paperback im DIN-A4-Format mit 92 werbefreien Seiten für 8,50 Euro inklusive Versand. Außerdem gibt es E-Book-Fassungen für Kindle und direkt beim Verlag im epub-Format für jeweils 3,99 Euro.

So lebte und starb ein 68er

Martin Gohlkes packender Roman „Im Bauch der Titanic“ lässt die Geschichte der westdeutschen Linken lebendig werden.

Vor 50 Jahren begann ein anderes Deutschland. Viele der damaligen 68er sind heute längst Rentner oder Pensionäre, die ihren Marsch durch die Institutionen absolviert haben. Aber was ist mit den stillen Helden dieser Generation? Von einem solchen aus der Generation, die gegen das bleierne Schweigen der Nachkriegszeit, die bürgerliche Enge und den Atomstaat kämpfte, erzählt Martin Gohlkes Roman über Liebe, Rache und den Tod.

Der Roman reicht von den 1940ern bis in die 2010er Jahre. Gohlke gelingt es, die Figuren über diesen großen Zeitraum literarisch und nicht bloß sachlich zu erfassen: Die historischen Stationen geben einen Eindruck, wie sehr sich die Bundesrepublik in der Lebenszeit eines Menschen verändert hat. Sie bilden den Hintergrund für die Entwicklung der Romanfiguren. „Ich wollte keinen reinen Spannungsroman schreiben, sondern über die Handlung eine Atmosphäre schaffen, der sich der Leser schwer entziehen kann“, so Gohlke.

Martin Gohlkes packender Roman „Im Bauch der Titanic“ lässt die Geschichte der westdeutschen Linken lebendig werden.

In den 1950er Jahren macht Ilona in einem kleinen norddeutschen Dorf ihr Abitur. Sie entscheidet sich für die ökonomische Sicherheit einer Ehe mit dem Unternehmersohn Werner und gegen die Liebe zum Legastheniker Wolfgang. Dieser arbeitet sich auf dem zweiten Bildungsweg bis an die Universität Frankfurt kurz nach dem Schicksalsjahr 1968 voran. Hier begegnen er und Ilona sich wieder, um den Mantel des Schweigens zu lüften, der auf den Ereignissen an ihrer alten Schule während des Nationalsozialismus lag. Für Wolfgang wird diese Forschung bald persönlich und zu seiner Lebensaufgabe. Bei den Protesten im Wendland der 1980er kreuzen sich Wolfgangs und Ilonas Wege einmal mehr und scheinen sich zu einem friedlichen, gemeinsamen Lebensabend zu vereinen. Doch kurz vor dem Tod muss sich Wolfgang der Frage stellen, was kaputtgeht, wenn man „kaputt macht, was einen kaputt macht“.

Gohlkes Roman ist nicht autobiographisch geprägt (Gohlke ist Jahrgang 1960.) und speist sich doch aus den persönlichen Erfahrungen des Autors. Durch die Arbeit in der politischen Bildung sind Sozialisation und Entwicklung der westdeutschen Linken wie auch ihr innere Kämpfe um eine menschliche Haltung unter unmenschlichen Umständen ihm wohlvertraut.

Martin Gohlke: Im Bauch der Titanic (2017)

Martin Gohlke ist promovierter Historiker und Politologe. Er arbeitet in der politischen Erwachsenenbildung und verfasst Essays u.a. für den „Lichtwolf – Zeitschrift trotz Philosophie“. 2002 erschien seine Studie „Rotes Herz – Tiefer Riss: Die betriebliche und gewerkschaftliche Interessenvertretung bei der Bremer Firma Kaffee HAG 1945–1990“. Im Jahr 2014 folgte sein erster Roman „Weitlings Traum“. Gohlke lebt in Norden (Ostfriesland).

Der Roman ist erhältlich als Buch (ISBN 9783941921641) im Hardcover mit 394 Seiten für nur 19,80 Euro. Außerdem gibt es eine E-Book-Fassung für Amazon Kindle sowie direkt beim catware.net Verlag im epub-Format für alle anderen Lesegeräte. Die DRM-freie E-Book-Fassung kostet nur 6,99 Euro.

Im Lichtwolf geht es um die Wurst

Lichtwolf Nr. 58 (Wurst)

Würste und Wurschtigkeit, konkret, metaphorisch, vegetarisch und in zweiendlichen Redewendungen, darum dreht sich die aktuelle Sommerausgabe des Lichtwolf, „Zeitschrift trotz Philosophie“.

Lichtwolf Nr. 58 (Wurst)
Würste und Wurschtigkeit: Lichtwolf Nr. 58 kostet bloß 8,50 Euro inkl. Versand. Man kann das Heft auch im Abonnement erwerben oder als DRM-freies E-Book zum halben Preis (3,99 Euro), und zwar direkt beim catware.net Verlag im epub-Format oder bei Amazon für den Kindle..

Konkret geht es insofern um die Wurst, wenn in Lichtwolf Nr. 58 Dutzende von Wurstsorten in unter 800 Zeichen besprochen und der Wurst- bzw. Fleischkonsum und seine metabolischen und planetaren Folgen thematisiert werden. Oder warum der Dorfmetzger sich im Spätkapitalismus nur noch auf seine muslimische Kunden verlassen kann…

Metaphorisch geht es um die Wurst als Überlebens- und Systemfrage und um die neurechte Strategie des instrumentellen Relativismus, deren Ziel allgemeine Gleichgültigkeit zum Zwecke der Machtergreifung ist. Mit Platons Kratylos-Dialog wird die Frage erörtert, ob vegetarische Wurst „Wurst“ heißen kann; an anderem Ort geht es ums Verwursten antiker Mythen im Koran und über die erstaunlichen Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Hungerstillern Buch und Wurst.

Im hinteren Teil dieser Sommerausgabe wird die Biene als fliegende Polis in der Reihe „Viehlosovieh“ vorgestellt. Außerdem wird von einem Besuch der Bruchbude berichtet, in der die Kleinverlegerlegende V. O. Stomps ihre Eremitenpresse betrieb und Schnaps trank. Dazwischen gibt es wie immer Kurzrezensionen, Illus, Aphorismen und Fundstücke aus dem „Antirüpel“, aber keine bezahlte Reklame. Der Herausgeber erklärt, wie er an seine erste Abmahnung gekommen ist, und freut sich auf die MMPM.

Eine Leseprobe als PDF-Datei gibt es hier. Das Heft im A4-Format hat 108 Seiten und kostet bloß 8,50 Euro inkl. Versand. Man kann es auch im Abonnement erwerben oder als DRM-freies E-Book zum halben Preis (3,99 Euro), und zwar direkt beim catware.net Verlag im epub-Format oder bei Amazon für den Kindle.

Der Adel und du

Lichtwolf Nr. 57 (Der Adel und du)

Beim Blick ins Zeitschriftenregal mag man gern vergessen, dass der Adel nur zu Herrschaftszwecken von sich selbst erfunden wurde. Die heutige Aristokratie scheint nur noch als Besatzung einer Echtzeit-Seifenoper zum Gaudium der Yellow-Press-Leserschaft zu taugen.

Lichtwolf Nr. 57 (Der Adel und du)
Aristokratie und die bessere Gesellschaft vergangener, heutiger und künftiger Tage: Lichtwolf Nr. 57 kostet inkl. Versand 8,50 Euro. Alternativ gibt es die Frühlingsnummer auch als DRM-freies E-Book für Kindle und im epub-Format, was bloß 3,99 Euro kostet…

Ob das wirklich so ist und wie anders es war (und warum!), das ist der Kern von Lichtwolf Nr. 57 zum Thema „Der Adel und du“, erschienen zum kalendarischen Frühlingsanfang 2017 am 20. März. Das Heft mit 112 dicht beschriebenen Seiten im A4-Paperback ohne Werbung kostet inkl. Versand 8,50 Euro. Alternativ gibt es die Frühlingsnummer auch als DRM-freies E-Book für Kindle und im epub-Format, was bloß 3,99 Euro kostet.

Die Beiträge in der aktuellen Ausgabe der „Zeitschrift trotz Philosophie“ behandeln unter der Überschrift „Der Adel und du“ zwei Fragen: Ist es wahr und gerecht, den Adel für etwas Besseres zu halten? Und was hieß und heißt Aristokratie als Herrschaft der Besten, Tüchtigsten, Edelsten?

Vom alten Adel und seinen politischen, kulturellen sowie ökonomischen Hinterlassenschaften bis zum Neofeudalismus unserer Tage und gar bis in die Zukunft (Feudalismus in der Science Fiction!) reicht der Reigen der unterhaltsamen Essays u.a. von Bdolf, Michael Helming, Marc Hieronimus und vielen anderen.

Adel hat viel mit Drang nach Distinktion zu tun, ist aber auch eine ernste Angelegenheit, wie der Blick auf die spirituelle Ahnenforschung in der islamischen Welt zeigt. Leicht hat es der Adel im Übrigen nie gehabt, entgegen der Redeweise vom Königsweg und den Prunkschlössern überall. Der Verfall der Trump-USA in eine neofeudale Pöbelherrschaft wird ebenso behandelt wie die Psychopathologie der Herrschaft überhaupt. Gleichfalls gegenwartsbezogen ist der interne Streit darüber, ob Bundestagspräsident Norbert Lammert als Vertreter des heutigen republikanischen Wissensadels sich eines Schopenhauer-Zitats bemächtigen darf oder nicht.

Jenseits des Titelthemas „Der Adel und du“ geht es in der Reihe „Viehlosovieh“ diesmal um den Elephanten und in der Rubrik „Lebende & Leichen“ findet sich ein Portrait von Graf Bernhard Uxkull (1899–1918), der trotz seines frühen Selbstmords nachhaltigen Eindruck auf Stefan George machte.

Auf lichtwolf.de kann man in Bdolfs Propädeutikum und Timotheus Schneideggers Analyse der neofeudalen Pöbelherrschaft in den USA reinlesen. Das alles gibt es da auch als PDF-Leseprobe. Dieser Auftakt zum Lichtwolf-Jubiläumsjahrgang 2017 ist übrigens eine gute Gelegenheit, sich für nicht mal 30 Euro ein Jahr lang Lichtwölfe im Abo nach Hause kommen zu lassen!

Gebäckphilosophie?!

Lichtwolf Nr. 56 (Gebäck)

Pünktlich zum Fest der Liebe und der glühenden Öfen ist Lichtwolf Nr. 56 zum Thema „Gebäck“ erschienen. Auf 112 winterlich gemütlichen Seiten beschäftigen sich die Stammautoren der „Zeitschrift trotz Philosophie“ allen voran mit dem Brot (sowie dem nah verwandten Bier), Keksen und Torten, aber auch mit Postfaktizität, Spinnen und Sokrates im Krieg.

Lichtwolf Nr. 56 (Gebäck)
112 winterlich gemütliche Seiten übers Gebäck: Lichtwolf Nr. 56 kostet 8,50 Euro (inkl. Versand) direkt beim Verlag oder im Einkaufszentrum auf lichtwolf.de; alternativ für 3,99 Euro als E-Book im epub-Format oder für Kindle.

In Lichtwolf Nr. 56 werden Croissants und Décroissance miteinander verknüpft und Gebäcke mehr oder weniger konkret auf ihre kulturelle Bedeutung untersucht. Welche Bedeutung spielt das Brot in der deutschen Nachkriegsliteratur? Sind Brot und Bier nur zwei Aggregatszustände desselben Grundnahrungsmittels? Wird Kekswichsen wirklich praktiziert oder ist das nur ein urbaner Mythos?

Und wenn es um Kekse geht, ist Leibniz in der „Zeitschrift trotz Philosophie“ auch nie fern, ebenso wie das legendäre Konkurrenzmagazin Bäckerblume… Eine Metaebene höher geht es um den Aufstieg von Backshops als zivilisatorisches Symptom und um die Auseinandersetzung mit Diät, Opfer und Verzicht allgemein. Eher theologisch auch die Betrachtungen zu Transsubstantiation und zur schwäbischen Seele als Gebäck sowie als Ziel satanisch-musikalischer Verführungskünste.

Außer um Gebäck (inkl. Rezepten für Pfannenbrot und Heimbraubier) geht es in Lichtwolf Nr. 56 auch um Soft Skills als scheinbare Werte an sich und um den Anteil der Philosophie am postfaktischen Zeitalter. In der Rubrik „Philosophen in Uniform“ wird Sokrates im Peloponnesischen Krieg portraitiert.

Diese Ausgabe ist wie jede Lichtwolf-Ausgabe werbefrei, aber auch keine Bleiwüste dank der vielen Illustrationen von Georg Frost, Marc Hieronimus, Andy Singer, Patrick McGrath Muñiz, Renate von Charlottenburg und aus dem Simplicissmus. Das Heft kostet 8,50 Euro (inkl. Versand) direkt beim Verlag oder im Einkaufszentrum auf lichtwolf.de; alternativ kann es für 3,99 Euro als E-Book im epub-Format oder für Kindle heruntergeladen werden.

Die Ursprünge von Degrowth und Postwachstum

Marc Hieronimus stellt in seinem neuen Buch die französische Décroissance-Bewegung und ihre sozial-ökologische Utopie vor.

Spätestens seit dem Bericht des Club of Rome aus den 1970ern ist klar, dass unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten unmöglich ist. Dennoch gilt das Wirtschaftswachstum in der Politik nach wie vor als das Maß der Dinge, auch wenn die ökologischen Folgen unübersehbar sind. Was aber wäre die Alternative? Damit beschäftigt sich das neue Buch „Der Schritt zur Seite“ des Kölner Philosophen und Historikers Dr. Marc Hieronimus.

„Alles anhalten. Nachdenken. Und das ist keine traurige Angelegenheit.“ So lautete das Motto einer französischen Comic-Kolumne der Siebziger Jahre, als weltweit die letzten Utopien geschrieben wurden.

Vierzig Jahre später haben sich Krempel und Rummel vervielfacht, und die Welt steht am Abgrund: Klimawandel, Verseuchung der Böden, der Meere, der Luft und das größte Artensterben seit 65 Millionen Jahren. Die Kriege ums letzte Öl sind noch nicht beendet, die ums Wasser haben längst begonnen.

Die meisten stecken den Kopf in den Sand. Andere sagen: Weiter so, mehr Wachstum! Eine dritte Gruppe schwört, Wissenschaft und Technik seien die Lösung, dabei sind sie das Problem.

Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite (2016)
Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite (2016)

Doch die französische Décroissance-Bewegung greift Kritik und Utopie von damals wieder auf. Ihre Erfahrungen und Traditionen reichen damit weit über die modernen Postwachstums- oder Degrowth-Bewegungen hinaus. Das Buch ist die erste deutschsprachige Gesamtdarstellung der Décroissance-Bewegung und ihrer Ursprünge im Pariser Mai 1968 und in Zeitschriften wie Charlie Hebdo. Es stellt leidenschaftlich und fundiert die Motive, Denker und falschen Freunde der französischen Wachstumskritiker vor.

Marc Hieronimus zeigt so humorvoll wie die Vor- und Nachdenker der Décroissance aus dem Umfeld von Charlie Hebdo, wie dringlich der Wandel auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene ist – und wie viel Hoffnung und Freude schon der erste Schritt bereiten kann, wenn er nur in die richtige Richtung geht.

Neben einem Sach- und Personenregister umfasst das 328-seitige Buch (ISBN 9783941921634) eine Bibliographie mit allen deutsch-, englisch- und französischsprachigen Titeln zum Thema Décroissance. Es kostet 14,80 Euro und enthält 23 Illustrationen u.a. von Gébé, Patrick McGrath Muñíz, Andy Singer und Andreas Töpfer.

Marc Hieronimus ist Historiker, Philosoph und Dozent für Deutsch als Fremdsprache. Seine Gedichte, Erzählungen und Essays sind in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften erschienen. Nach einigen Jahren in Frankreich lebt er heute mit seiner Familie am Waldrand von Köln. Weitere Informationen sowie Stücke seiner Band unter www.marc-hieronimus.de

Ein Lichtwolf über Nasen und Füße

Lichtwolf Nr. 55 (Nasen & Füße)

Vorige Woche hat Timotheus Schneidegger im ostfriesischen catware.net Verlag Heft Nr. 55 der Zeitschrift Lichtwolf herausgegeben. Die aktuelle Herbstausgabe widmet sich mit Philosophie und Humor den Nasen und den Füßen.

Dass ausgerechnet diese Körperteile im Zentrum einer Lichtwolf-Ausgabe stehen, ist für den Herausgeber konsequent: „Der Lichtwolf als Zeitschrift trotz Philosophie bringt das, was für populär- oder fachphilosophische Magazine zu abseitig ist. Seine Leserinnen wissen die regelmäßige Irritation zu schätzen.“

Lichtwolf Nr. 55 (Nasen & Füße)
106 körperbetonte Seiten übers Laufen, Lecken, Duften und Riechen: Ballett, Hornhaut und Schweißfüße sowie Fliegen, Köln, Wilhelm Schapp und Peter Trawny.

Auf 106 Seiten im A4-Paperback geht es um die beiden wunderlichsten Körperteile und die mit ihnen verbundenen Funktionen, also ums Riechen (im doppelten Sinne), ums Laufen (nur in einem Sinne) und Wandern sowie um weitere Anwendungsfälle wie Popeln oder Gesang.

Die Psychiater Wilhelm Fließ und Richard von Krafft-Ebing dürfen beim Thema „Nasenfetischismus“ natürlich nicht fehlen und werden vom Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus (IPuP) portraitiert. Osman Hajjar schreibt über Leid, Kunst und Macht, namentlich über die körperlichen Opfer, die für Ballett und Tenorgesang zum Wohlgefallen der Herrschenden erbracht werden.

Timotheus Schneidegger übersetzt Peter Trawnys schwierige Gegenwartsdiagnose „Technik.Kapital.Medium“ in Normalsprache. Außerdem geht es um Ästhetik als Wahrnehmungslehre und um die Fliege als „Viehlosovieh“ in Literatur und Popkultur. Wie in jedem Heft gibt es auch in Lichtwolf Nr. 55 wieder Aphorismen, Illustrationen und Kurzrezensionen aktueller Buchtitel.

Seit 2011 ist jede Lichtwolf-Ausgabe auch als E-Book erhältlich. Moderne Leser können sich die philosophische Dimension von Nasen und Füßen als E-Book für Kindle oder im offenen epub-Format herunterladen – oder die Nummer 55 ganz traditionell als 106-seitiges Heft bestellen auf www.lichtwolf.de oder beim catware.net Verlag.

Ekstase, Mystik, Transzendenz – der neue Lichtwolf

Lichtwolf Nr. 54 (Ekstase)

Zum kalendarischen Sommerbeginn ist die 54. Ausgabe des „Lichtwolf – Zeitschrift trotz Philosophie“ als Heft mit 110 Seiten und als E-Book veröffentlicht worden. Ganz und gar werbefrei verbinden die darin enthaltenen Essays wie üblich krassen Humor mit krasserem Tiefsinn. Dazwischen finden sich Kurzrezensionen, Aphorismen und pikante Geschichten des Punk-Dichters Bdolf sowie handgezeichnete Illustrationen.

Lichtwolf Nr. 54 (Ekstase)
Rausch, Orgasmen, Enthusiasmus und Transzendenz mit Nietzsche, al-Arabi, Christen, Heidegger, Alkohol sowie Ekel, Fröschen und Wittgenstein im Krieg.

Räusche und Orgasmen, Außersichsein, Enthusiasmus und Transzendenz, romantische Poesie und Nationalwahn sind die großen Themen der aktuellen Ausgabe: Timotheus Schneidegger befasst sich mit Ekstase, Besessenheit und Askese im Christentum und Osman Hajjar mit den dunklen Schriften des islamischen Mystikers Ibn al-Arabi. Ganz weltimmanent können Schönheit und Freude etwa an der Natur verzücken oder auch in zivilisatorischen Selbsthass entrücken, gegen den Wolfgang Schröder argumentiert. Heideggers Begriff der Ekstasen der Zeitlichkeit wird erklärt und die Entstehungsgeschichte von Friedrich Nietzsches letzter Schrift, den „Dionysos-Dithyramben“.

Georg Frost eröffnet die neue (selbsterklärende) Reihe „Philosophen in Uniform“ damit, wie der junge Ludwig Wittgenstein in den Ersten Weltkrieg zog, was er dort erlebte und wie das seine Jahrhundertschrift, den Tractatus logico-philosophicus formte.

 

Parallel zur aktuellen Ausgabe ist die von Lichtwolf-Autor Martin Köhler besorgte Neuübersetzung von David Humes „Von der Regel des Geschmacks“ („Of the Standard of Taste“) im catware.net Verlag erschienen. Dieser für die Ästhetik grundlegende Essay ist als kleines Taschenbuch (ISBN 9783941921603) und als E-Book erhältlich.

Auf diese Neuerscheinung ist der Verleger Timotheus Schneidegger besonders stolz: „Humes Text ist zuletzt vor fast einem halben Jahrhundert übersetzt worden und hat bisher ein ziemliches Schattendasein gefristet. Das muss sich nun schleunigst ändern!“

Die E-Book-Strategie des catware.net Verlags soll dazu beitragen: Seit bereits fünf Jahren erscheinen die Bücher und Hefte des Kleinverlags auch in einer elektronischen Ausgabe für Amazon Kindle und im offenen epub-Format. Die E-Books sind DRM-frei, d.h. ohne Kopierschutz und kosten nur die Hälfte der gedruckten Ausgabe.

Das gilt auch für Lichtwolf Nr. 54, der als Paperback im DIN-A4-Format (ISBN 9783941921627) sowie als DRM-freies E-Book daherkommt – ebenfalls für Kindle und als epub.

 

Der Lichtwolf wurde im Sommer 2002 aus Übermut und Langeweile im Umfeld der Fachschaft Philosophie der Uni Freiburg gegründet. Der Studentengag wuchs sich im Laufe der Jahre grund- und ziellos zum fröhlichen Wissenschaftsmagazin aus. Ziel ist es, die „subversive Kraft des Denkens gegen die akademischen und literarischen Blabla-Betriebe rehabilitieren“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt.

Seit 2009 erscheint der Lichtwolf im catware.net Verlag. Ein Jahres-Abonnement ist auf www.lichtwolf.de für 26,80 Euro zu haben.

Das Schloch als Philosophem

Lichtwolf Nr. 53 (Schloch)

Rätselhaft im ontologischen Status, ungünstig im sozialen Nahbereich: Das ist das „Schloch“, dem der Lichtwolf, „Zeitschrift trotz Philosophie“ seine aktuelle Frühlingsausgabe widmet. Auf 94 Seiten geht es u.a. um anale Charaktere, gerechtfertigte Misanthrophie und E-Mail-Verschlüsselung.

Lichtwolf Nr. 53 (Schloch)
Vom Ar zum Loch in 94 Seiten: Anale Charaktere, Deutsche, Franzosen, Trolle, innere Schweinehunde sowie Eulen, Feuerland-Indianer und Kryptographie.

Die geneigte Leserin bekommt es in den Essays dieser Ausgabe u.a. mit Arno Schmidt, Graham Greene, Diogenes und Kurt Tucholsky zu tun.

Marc Hieronimus beschäftigt sich mit dem analen Charakter des Deutschen nach Clyde Kluckhohn und mit einer spezifischen Untermenge, den Spießern. Wie mit islam- und frauenfeindlichen Trollen im Internet nach den Übergriffen der Kölner Silvesternacht umzugehen sei, erwägt Timotheus Schneidegger und zieht dafür Giordano Bruno zu Rate.

Die Kinderseite „Lichtwelpe“ erklärt, wie man mit Immanuel Kant „kinderleicht“ links und rechts unterscheiden kann. Michael Helming stellt die Eule als hoffnungslos überschätztes „Viehlosovieh“ vor.

Ganz und gar werbefrei verbinden die vielfältigen Essays Humor mit Tiefsinn. Im Heft finden sich außerdem Kurzrezensionen, Aphorismen und pikante Geschichten des Punk-Dichters Bdolf.

Der Lichtwolf wurde im Sommer 2002 aus Übermut und Langeweile im Umfeld der Fachschaft Philosophie der Uni Freiburg gegründet. Der Studentengag wuchs sich im Laufe der Jahre grund- und ziellos zum fröhlichen Wissenschaftsmagazin aus.

Der Lichtwolf finanziert sich seit 14 Jahren ausschließlich durch den Heftverkauf. Die aktuelle Ausgabe Nr. 53 kann im Buchhandel (ISBN 9783941921580) oder direkt über www.lichtwolf.de für 7,80 Euro bezogen werden. Seit 2009 erscheint der Lichtwolf im ostfriesischen catware.net Verlag, der jede Ausgabe auch als DRM-freies E-Book für Amazon Kindle und im offenen epub-Format anbietet.